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"Archiv der Zukunft" - das große Bauprojekt

Informationen über den aktuellen Sachstand in einem Interview mit Stefan Mehl.

Welche Idee steckt hinter dem Namen „Archiv der Zukunft“, welche Herausforderungen birgt das außergewöhnliche Gebäude und welche Visionen gibt es bereits jetzt für die Zukunft? Stefan Mehl, Geschäftsführer der Bauherrin R+G Beteiligungs-GmbH in Lichtenfels, zeigt den aktuellen Sachstand auf und informiert wie es um das Großprojekt im Herzen der Stadt steht.

Für viele ist und bleibt es ein abstrakter Begriff, "das Archiv der Zukunft". Und doch wird das Voranschreiten dieses Objekts tagtäglich beobachtet. Es führt ja fast kein Weg daran vorbei, wenn man sich in der Innenstadt befindet. Den meisten ist klar, dass hier, in direkter Nachbarschaft zum Rathaus, ein sehr besonderes Projekt Konturen annimmt. Wenn aber davon gesprochen wird, geschieht dies oft mit einer Umschreibung - es geht "um das, was da am Marktplatz gebaut wird". Deshalb haben wir mit dem Bauherrn über den Sachstand gesprochen. Stefan Mehl vertritt die R+G Beteiligungs-GmbH Lichtenfels, deren zwei weitere Geschäftsführer Günter und Robert Hofmann die Initiatoren des "Archivs der Zukunft" sind.

Herr Mehl, wie steht es um das Großprojekt am Marktplatz?

Stefan Mehl: Gerade haben wir im Untergeschoss mit dem Innenausbau begonnen. Es läuft alles planmäßig, soweit man das beim Bauen sagen kann. Da gibt es natürlich immer wieder mal kleine Probleme, aber nichts, was auf große Verzögerungen hindeuten würde. In ein paar Wochen werden wir hoffentlich mit den Profilen für die Verglasung weitermachen können. Wir haben nämlich den ursprünglichen Bauplan dahingehend abgeändert, dass wir die im ersten Stock vorgesehene Terrasse zur Bürofläche hinzugenommen haben. Der Bauausschuss der Stadt hatte keine Einwände. Und gerade eben ist die Genehmigung vom Landratsamt mit der Post eingetroffen.

Eine Nach-Genehmigung sozusagen?

Ja genau. Das ist etwas ganz Normales, dass man bei so einem Bau im Nachgang noch Änderungen vornimmt. Das haben wir formal korrekt gemacht und es uns offiziell genehmigen lassen.

Ist das Interesse der Lichtenfelser an dem Projekt aus Ihrer Sicht gestiegen oder eher etwas abgeflaut?

Ich erlebe es so, dass es konstant hoch ist. Wir kriegen immer wieder mal E-Mails oder Kommentare und Nachfragen zu den Veröffentlichungen auf unserem Instagram-Kanal. Warum wird das jetzt so gemacht und nicht anders? - Dass wollen die Leute wissen. Es gibt ja auch viele Baubeobachter, die täglich vor Ort sind (lacht). Wir informieren auch weiterhin in unserem Showroom neben der Baustelle, auf unserer Website und in Magazinen, die wir haben drucken lassen.

Glauben Sie, dass die Mehrzahl der Leute mit dem Begriff Archiv der Zukunft schon etwas anfangen kann?

Das würde ich mir wünschen! Es ist mittlerweile schon ein Begriff in Lichtenfels, aber dass die Leute etwas damit anfangen können, glaube ich eher noch nicht. Das ist ja auch etwas, was man erklären muss.

Und wie würden Sie es erklären?

Die Idee, die hinter dem Namen steckt, ist ja die, dass man dort Zukunftsentwicklungen vorstellt oder frühzeitig darauf aufmerksam macht, in welche Richtung sich Dinge entwickeln, und diese Ideen wieder archiviert. Denn nicht alles, was heute eine tolle Idee für die Zukunft zu sein scheint, wird ja tatsächlich realisiert. Deswegen dieser Name. In zehn oder zwanzig Jahren kann man dann auf die Visionen mal draufschauen: Was hat man eigentlich 2020 gedacht, was die Zukunft bringen wird?

Eigentlich eine spannende Geschichte, und vielleicht gerade in Corona-Zeiten ein Projekt, für das man Menschen auch auf anderem Wege als durch Präsenz-Veranstaltungen gewinnen kann...

Das denke ich auch. Wir wollen vor allem die Leute neugierig machen, auf das, was kommt. Gerade im Moment braucht man doch ein bisschen Aufmunterung, positive Nachrichten, was da in der Zukunft noch Spannendes passieren könnte. Wir überlegen zum Beispiel, wie wir den Ausstellungsbereich digital präsentieren können. Denn wir gehen momentan davon aus, dass sich die Lage nicht so schnell verändern wird. Selbst wenn im nächsten Jahr ein Impfstoff kommt, weiß man ja nicht, wie das dann weitergeht und ob es nicht sogar grundsätzlich sinnvoll ist, mehr online zur Verfügung zu stellen. Dadurch ändert sich auch das Konzept des Ganzen.

Wie sieht denn die Zeitschiene für das Projekt insgesamt aus?

Im Herbst nächsten Jahres soll das Gebäude bezugsfertig sein. Noch behaupten alle, inklusive des Architekten, wir würden unseren Zeitplan einhalten können. Ich meine, das kriegen wir hin, bin aber ein bisschen skeptisch, was die Bäume angeht (Anm. d. Red.: stilisierte Weiden aus Metall). Die machen doch sehr viel mehr Arbeit, als man ursprünglich gedacht hat.
Wer stellt diese Bäume her?

Eine wirklich tolle Firma in Österreich mit sehr viel Erfahrung im Metallbau, die auch schon etwas in dieser Art gemacht hat. Wir waren schon zweimal dort gewesen. Man brauchte da jemanden, der bereit ist, sich auf etwas einzulassen, was zum Großteil neu entwickelt werden muss und noch nie genau so gemacht worden ist.

Gibt es vielleicht schon Fotos von einem Prototyp?

Nein, noch nicht. Momentan klären wir gerade die letzten Fragen der Statik. Vorher schon ein Modell zu bauen, macht keinen Sinn. Ich hoffe, dass wir im Dezember soweit sind.

Was ist eigentlich aus den archäologischen Funden geworden, auf die man beim Ausheben der Baugrube gestoßen war?

Wir haben die Sachen natürlich gesichert.
Was war für Sie persönlich darunter das Highlight?

Sicherlich dieses getöpferte Gefäß, von dem die Archäologen der Meinung sind, dass das wahrscheinlich so etwas wie eine Opfergabe beinhaltet hat, die man bei den Vorgängerbauten bewusst mit eingegraben hatte. Das Besondere daran ist zum einen, dass es sehr gut erhalten ist, aber vor allem, dass es einen Deckel hat.
Wo befindet es sich jetzt?

Das ist noch zu Untersuchungszwecken beim Landesamt für Denkmalpflege. Irgendwann wollen wir es dann auch bei uns ausstellen.

Das Gespräch führte Ramona Popp. Veröffentlicht wurde das Interview am 5.11.2020 auf www.infranken.de